Freie Demokraten lassen Auswirkungen erhöhter Elternbeiträge prüfen

Im Vorfeld der Ausschusssitzung der Jugendhilfe beschäftigte sich die FDP-Kreistagsfraktion Rhein-Neckar neben den Themen Ganztagsbetreuung und Frühförderung, Jugendhilfe im Strafverfahren, den Leistungen zum Unterhalt von Kindern in Vollzeitpflege, um nur einige zu nennen, auch mit der Zukunft der Kindertagespflege.
Die Kindertagespflege, also die Betreuung von Kleinkindern durch Tagesmütter und -väter, ist ein wichtiger Baustein in der Betreuung von Kleinkindern – vorzugsweise im Alter unter drei Jahren.
Im Rhein-Neckar-Kreis wurden zum Januar 2025 die Elternbeiträge – nach 10jähriger Pause – recht kurzfristig um ca. 60% angehoben (von 1,82 Euro auf 2,87 Euro für das erste Kind), was zu erheblichen Irritationen sowohl bei Tageseltern als auch bei betroffenen Eltern führte. In der damaligen Beschlussfassung des zuständigen Kreistages ging man davon aus, dass eine Kostenerhöhung nach so langer Zeit unumgänglich sei und für eine längere Zeit stabil bleiben würde.
Schon ein Jahr später im Dezember 2025 hat der Kreistag mit der Mehrheit von CDU, Freien Wählern und SPD beschlossen, die Berechnungsgrundlage für die Berechnung der Elternbeiträge zu ändern und die Beiträge 2026 und 2027 zu erhöhen.
Nun werden, angelehnt an die Empfehlungen der Kommunalverbände bzw. Kirchen, die Kosten für Krippenplätze von Kindertagesstätten zugrunde gelegt. Damit steigt der Elternbeitrag in zwei Stufen von derzeit 2,87 Euro pro Stunde bis auf 3,60 Euro im September 2027.
Die FDP-Fraktion konnte dieser Vorlage nicht zustimmen, da sich die Kindertagespflege in vielerlei Hinsicht sowohl von der Zielgruppe als auch von der Organisation und der Kostenstruktur von den Kindertagesstätten deutlich unterscheidet. Zudem werden Kindertagesstätten in kommunaler Trägerschaft häufig von den Gemeinden subventioniert, sodass der vorgeschlagene „Referenzwert“ für den Kostenbeitrag der Eltern deutlich unterschritten wird, also keineswegs verbindlich ist.
Aus Sicht der Freien Demokraten besteht nun die Gefahr, dass diese Form der frühkindlichen Betreuung angesichts der sprunghaft gestiegenen Kosten zurückgeht bzw. langfristig verschwindet. Angesichts weiter sinkender Geburtenzahlen ist dies ein fatales Signal an Frauen, deren Kinderwunsch und berufliche Perspektiven im Widerstreit stehen.
Um nun die Auswirkungen dieser Kostensteigerungen beginnend bei 2024 bis zum Herbst 2026 evaluieren zu können, wurde das Jugendamt beauftragt, verschiedene Kennzahlen, Tageselten betreffend, für diesen Zeitraum zur Verfügung zu stellen: z.B. Anzahl der Tageseltern, Anzahl der betreuten Kinder, Anzahl der Schulungen für Tageseltern, Anzahl der Härtefallanträge usw.
Diese Erhebung soll Grundlage für eine aussagekräftige, transparente Datenbasis sein, mit der die Situation der Kindertagespflege im Rhein-Neckar-Kreis über einen längeren Zeitraum verfolgt und beurteilt werden kann.
Für die FDP-Kreistagsfraktion ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf von großer Wichtigkeit, um zum einen eine frühzeitige Rückkehr der Mütter in ihren Beruf und zum anderen eine qualifizierte Betreuung, bzw. frühkindliche Bildung zu ermöglichen. Neben den Kindertagesstätten hat sich die Kindertagespflege als flexible, wichtige und notwendige Ergänzung in diesem Bereich etabliert. Sie gilt es zu erhalten.